Bundeskartellamt bewilligt Kooperation – EWE und Telekom bauen Glasfasernetz aus

72 Prozent der deutschen Haushalte sind bis heute nur mittels einer Kupferleitung mit dem Internet verbunden.

Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Netze noch aus einer Zeit stammen, als Daten in der Form wie wir sie heute verstehen, für die private Anwendung keine Rolle gespielt haben. Doch nun muss das ehemalige Staatsunternehmen nachziehen und neue Strukturen schaffen, wenn es gegen Konkurrenten wie Vodafone mit einem deutlich schnelleren Glasfasernetz keinen weiteren Boden verlieren möchte.

Hierzu wurde nun schon über längere Zeit eine Kooperative mit EWE verhandelt. Doch bisher standen vor allem wettbewerbsrechtliche Argumente dagegen. Diese räumte das Bundeskartellamt aber nun aus und gab beiden Konzernen grünes Licht für den Start.

Langsam, langsamer, am langsamsten

Die Ausgangssituation ist fatal, wenn man es ungeschönt beim Worte nennt. Rund 72 Prozent aller deutschen Haushalte sind noch immer mit normalem Kupferkabel an das Internet angeschlossen.

Über eine solche Verbindung lassen sich auch mit Super Vectoring lediglich Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s erzielen. Besonders in ländlichen Regionen wie beispielsweise in weiten Teilen Niedersachsens, ist die Lage sogar noch schlechter, denn hier können mancherorts nur zwischen 2 und 16 Mbit/s genutzt werden.

Genau dies möchte man aber ändern und hat sich dafür Hilfe geholt. Der Energieversorger EWE und die Telekom haben schon seit längerem über einen Kooperationsvertrag verhandelt, der in den letzten Monaten Gestallt angenommen hat.

Doch dann kam es wie es kommen musste – das Bundeskartellamt schaltete sich ein, denn es wurde eine zu große Marktmacht beider Konzerne befürchtet.

Allerdings kamen die Wettbewerbswächter zu einer neuen Schlussfolgerung. So ließ ein Sprecher des Amtes verlauten, dass diese Partnerschaft einen deutlichen Mehrwert für die Region Niedersachsen zu bieten hat.

Sie könne unter den richtigen Rahmenbedingungen den schnellen Ausbau der Netze herbeiführen und somit unzählige Haushalte mit sehr hohen Bandbreiten versorgen. Eine Entscheidung, die die Telekom aber auch EWE sichtlich erfreut hat, denn die Region um die es geht erstreckt sich immerhin von Bielefeld bis an die Tore Hamburgs.

Ein Mammutprojekt, das einen Mustercharakter für die ganze Republik aufweisen könnte.

10 Gigabit gefällig

EWE und Telekom setzen bei ihrer Kooperation auf FttB und FttH. Ersteres führt die Glasfaserleitungen bis in die Keller und Hauptanschlusskästen der Gebäude. Letzteres ermöglicht es gar, alle Wohnungen mit einem schnellen Anschluss zu versehen, sodass es gar keine Minderung der Signalübertragung mehr gibt.

Somit könnten Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s oder noch deutlich höhere Bandbreiten erreicht werden. Die Aufgabenteilung ist dabei klar.

EWE ist als Energieversorger für den Aufbau der Netze zuständig. Da das Unternehmen ohnehin das Energienetz an vielen Orten modernisiert, wird im selben Schacht gleichzeitig ein Glasfaserkabel verlegt. Dies spart die spätere Nachrüstung und es kann schneller agiert werden.

Die Telekom kümmert sich um die Versorgung der Nutzer, denn sie verfügt über die technische Infrastruktur, um die Haushalte an das schnelle Netz anzubinden. Allerdings ist sie damit nicht allein.

In Hessen übt Vodafone ebenfalls den Ernstfall zusammen mit dem Partner Deutsche Glasfaser. Hier entsteht ein vergleichbares Projekt, dass die Telekom und EWE doch deutlich unter Druck setzen dürfte. Der, der in diesem Wettlauf die besseren Ergebnisse erzielt, der könnte auch in ganz Deutschland am Ende den ersten Platz auf dem Markt einnehmen.

Ein Umstand, dessen sich die Telekom wohl sehr bewusst sein dürfte.

Versäumnisse und ihre Folgen

Der aktuelle Stand der Netze ist in erster Linie ein Versäumnis, dass sich die Telekom auf die eigenen Fahnen schreiben muss. Schon beim Beginn der Breitband-Ära verpasste der Konzern den Anschluss und unternahm nichts, um die Netzinfrastruktur zu verbessern.

Wohl aber auch in der Erwartung, dass sich die Entwicklung deutlich langsamer vollziehen wird. Somit wurde die Telekom an vielen Punkten von der Geschwindigkeit der Digitalisierung überrollt.

Dies gilt es nun nachzuholen, denn bisher können nur rund 4,3 Prozent der deutschen Haushalte auf einen direkten Glasfaseranschluss zugreifen. Im Vergleich zu anderen Ländern ein deutlicher Rückstand, wenn es um das Netz der Zukunft geht.

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