Infrastrukturabgabe: PŸUR will Geld von Netflix, Amazon Prime Video und Co.

Geld bezahlen

Der Fachverband Rundfunk- und Breitbankommunikation (FRK) sieht sich selbst als Interessenvertreter der kleinen und mittelgroßen Kabelnetzbetreiber. Die Bandbreite der Mitglieder ist enorm.

Teilweise handelt es sich um sehr kleine Unternehmen mit nur einigen hundert angeschlossenen Haushalten. Auf der anderen Seite ist aber auch die Tele Columbus Gruppe eingetreten, die unter der neuen Dachmarke PŸUR Millionen Haushalte mit Fernsehen und Internet versorgt.

Auf dem Breitbandkongress des Verbandes wurde nun eine spektakuläre Forderung beschlossen: Die Kabelnetzbetreiber wollen Geld von den großen amerikanischen Video-Portalen.

Betroffen wären davon wohl vor allem Netflix, Amazon Prime Video und Youtube. Diese sollen sich mit einer Netznutzungsgebühr am Ausbau des deutschen Gigabit-Netzes beteiligen.

Für jeden Netflix-Nutzer einen Euro

Tatsächlich sind Videos und Musik inzwischen für rund achtzig Prozent des gesamten Datenverkehrs in Deutschland verantwortlich – und die Werte steigen weiterhin jährlich an.

Für die Kabelnetzbetreiber bedeutet dies: Sie müssen massiv in den Ausbau der Infrastruktur investieren. Profitieren tun davon aber vor allem die großen Streamingportale. Zukünftig soll sich dies nach Vorstellungen des FRK aber ändern.

„Wir wollen für jeden Nutzer, der an Netflix zahlt, einen Euro haben“, erklärte der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Labonte. Das Geld solle aber nicht von den Kunden kommen, sondern im Rahmen einer Infrastrukturabgabe bei den Unternehmen eingesammelt werden.

Denn diese machen Milliardengewinne auf Kosten der Netzbetreiber – so die Argumentation des FRK.

Die Netzneutralität spielt Amazon Prime Video in die Karten

Tatsächlich sind die Kabelnetzbetreiber aber in keiner besonders guten Verhandlungsposition. Denn aufgrund der in Deutschland gesetzlich festgeschriebenen Netzneutralität dürfen sie keine bestimmten Anbieter blockieren.

Diese Vorschrift soll den im Netz aktiven Unternehmen Chancengleichheit gewähren. So soll eigentlich sichergestellt werden, dass ein Platzhirsch wie Netflix nicht durch entsprechende Zahlungen dafür sorgen kann, von den Kabelnetzbetreibern bevorzugt behandelt zu werden.

Im Streit mit dem FRK spielt Netflix, Amazon und Google die Netzneutralität nun aber in die Karten. Deswegen appelliert Verbandschef Labonte auch an die Unternehmen: Um den Netzausbau in Deutschland zu realisieren, sei ein Schulterschluss aller Akteure notwendig.

Unitymedia hat bereits Netflix im Angebot

Tatsächlich kooperiert beispielsweise Netflix bereits mit dem US-Unternehmen Liberty Global. Der Streaminganbieter ist seitdem auf den Set-Top-Boxen des Kabelanbieters vertreten und kann auch über die Suche gefunden werden.

Dafür verbleibt aber auch ein nicht unerheblicher Teil der Einnahmen beim Netzbetreiber: Die über die Plattform erzielten Umsätze werden geteilt. Für Deutschland ist diese Kooperation relevant, weil Liberty Global der Mutterkonzern von Unitymedia ist.

Bei Amazon Prime Video ist der US-Konzern hingegen deutlich skeptischer was die Möglichkeit einer Zusammenarbeit angeht: Man sei sich nicht sicher, welche Ziele Amazon mit dem Engagement überhaupt verfolge, so der Unternehmenschef in einem Interview.

Ob Netflix weitere ähnliche Ansätze der Kooperation mit deutschen Kabelnetzbetreibern plant, ist bisher nicht bekannt.

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