Gegen Amazon: Unitymedia will deutsche Inhalte in einem Streamingangebot vereinen

Die Branchenmesse Angacom ist immer auch ein großes Treffen der verschiedenen Netzbetreiber und Fernsehsender in Deutschland. So waren in diesem Jahr beispielsweise die Pay-TV-Anbieter Sky und Freenet ebenso vor Ort wie der Free-TV-Sender RTL, die Kabelbetreiber Unitymedia und Vodafone Kabel Deutschland sowie die Deutsche Telekom.

Alle genannten Unternehmen haben inzwischen eigene Plattformen in Betrieb, über die Kunden exklusive Inhalte abrufen können. Unitymedia-Chef Lutz Schüler geht dies aber noch nicht weit genug.

Er forderte daher eine Zusammenarbeit aller deutschen Medienunternehmen, um mit einem gemeinsamen Streamingangebot auch gegen Amazon Prime Video und Netflix bestehen zu können. Als Schlagwort sprach er in diesem Zusammenhang von einem „deutschen Hulu“.

Der US-Streamingdienst Hulu könnte als Vorbild dienen

Hulu ist ein US-Streamingdienst an dem unter anderem Walt Disney, Time Warner, Comcast und 21st Century Fox beteiligt sind. Er gilt daher als großer Rivale von Netflix auf dem nordamerikanischen Markt.

Mehr noch als Netfix scheint dem Chef von Unitymedia aber vor allem Amazon Prime Video Respekt einzuflössen. Er sprach sogar davon, dass das Amazon-Angebot in letzter Konsequenz dazu führen könnte, dass Kunden keinen eigenen Kabelanschluss mehr bestellen.

Auf der anderen Seite sah er aber auch eine Menge Potential bei den deutschen Firmen. Letztlich, so seine Aussage, hätten Amazon und Netflix auf dem hiesigen Markt nur Erfolg, weil die einheimische Branche noch zu träge sein. Daher sein Appell, die Kräfte zu bündeln.

Das Kartellamt hat eine Kooperation schon einmal untersagt

So einleuchtend dies auch klingen mag, gibt es doch ein erhebliches Problem bei dieser Forderung: Ein ähnlicher Versuch war in der Vergangenheit bereits einmal an den Kartellbehörden gescheitert.

Darauf wies Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der RTL-Mediengruppe, in der Diskussion hin. Damals hatte RTL versucht gemeinsam mit dem Konkurrenten Sat1ProSieben eine Mediathek aufzubauen, in der alle Inhalte der beiden Sendergruppen verfügbar sein sollten.

Das Kartellamt untersagte dieses Ansinnen allerdings, weil es eine zu große Marktmacht des neuen Portals befürchtete. Eine Entscheidung, die schon damals eher merkwürdig anmutete. Immerhin gab es mit den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender erhebliche Konkurrenz. Seit auch Amazon Prime Video und Netflix hierzulande aktiv sind, muss die Entscheidung des Kartellamts noch kritischer gesehen werden.

Amazon Prime Video investiert massiv in neue Inhalte

Insbesondere Amazon stellt für die deutschen Anbieter eine gefährliche Konkurrenz dar. Denn der Konzern betreibt sein Angebot vor allem zur Kundenbindung und strebt bisher noch keine Gewinne an.

Gleichzeitig können die Macher auf schier unendliche Resosurcen zurückgreifen. So kündigte der Streamingdienst zuletzt an, zukünftig jährlich 4,5 Milliarden Dollar in neue selbt produzierte Inhalte stecken zu wollen.

Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Kabel Deutschland, betonte allerdings, dass dies für die Kabelnetzbetreiber durchaus auch Vorteile hat. Denn schon heute bestehe rund 60 Prozent des Datentraffics aus Video. Dies wiederum beschleunige die Nchfrage nach schnellen Internetanschlüssen.

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