Spionage-Affiare löst neue Debatte um Huawei aus

Ein ehemaliger EU-Diplomat, eine Lobby-Firma und ein großer deutscher Konzern spielen die Hauptrolle in einem Debakel, das auch der Feder eines Autoren entsprungen sein könnte.

Doch anders als in einem fiktiven Werk, wird in der Realität bereits Schadensbegrenzung betrieben.

Die Rede ist von der Telekom und einer ihrer Vertragsfirmen, in welche sich nach derzeitigem Stand, wohl ein Wirtschaftsspion eingeschlichen hat. Dieser Vorfall schürt auch neue Kritik an Huawei und dem Umstand, dass die großen Netzbetreiber, nicht auf die Komponenten des Anbieters aus Fernost verzichten können und wollen.

Ein Blick auf eine Geschichte, die das Potenzial für politischen Zündstoff in sich trägt.

Ein Schritt der Vorsicht

Die Deutsche Telekom geht in vielen Fällen schon einmal Risiken ein. Doch im aktuellen Skandal um einen ehemaligen EU-Diplomaten, welcher zusammen mit zwei weiteren Personen in den Verdacht geraten ist, Spionage für die Volksrepublik China zu betrieben, möchte sich der einstige Staatskonzern nun doch lieber zurückhalten.

Schon kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls, kündigte das Bonner Unternehmen an, die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber des Verdächtigen – einer Lobbyfirma die zu den Vertragspartnern der Telekom zählt – bis zur endgültigen Klärung auszusetzen. Alle bestehenden Verträge, Projekte und Verbindlichkeiten wurden umgehend auf Eis gelegt.

Auch die Bundesanwaltschaft bestätigte am vergangenen Mittwoch die laufenden Ermittlungen und erklärte, dass es bereits an mehreren Orten Haus- und Wohnungsdurchsuchungen gegeben hätte.

Beim Hauptverdächtigen handelt es sich demnach um einen Deutschen, der in der Vergangenheit als Diplomat der EU tätig war und in dieser Funktion auch Verbindungen nach China geknüpft hat. 2017 legte er sein Amt nieder und übernahm einen leitenden Posten in der besagten Beratungsfirma, bei welcher auch die Telekom Kunde ist.

Debatte um Huawei

Konkret wird dem Verdächtigen vorgeworfen, dem chinesischen Ministerium für Staatssicherheit, wesentliche wirtschaftliche Informationen über große europäische Unternehmen zukommen lassen zu haben.

In diesem Zusammenhang betonte ein Sprecher der Telekom, dass es bei der Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma aber nicht um sicherheitskritische Themen ging. Außerdem seien die Verträge mit Beratungsfirmen, die im politischen Umfeld aktiv seien, ohnehin stark reduziert worden.

Nichts desto trotz sieht sich der Provider nun aber neuen Vorwürfen ausgesetzt. Diese betreffen vor allem die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Zulieferer Huawei, dessen Komponenten in fast allen Bereichen des Mobilfunknetzes eingesetzt werden.

Gerade im Rahmen der aktuellen 5G Ausbaumaßnahmen sehen unzählige Kritiker hier ein enormes Sicherheitsrisiko.
So wurde Huawei schon vor einiger Zeit vorgeworfen, dass staatliche Sicherheitsorgane einen wesentlichen Kontrolleinfluss auf den Konzern ausüben würden. Dies würde Spionage von außen, über installierte Backdoors, Tür und Tor öffnen.

Nachgewiesen werden, konnte dieser Umstand bisher nicht. Allerdings sind die Bedenken groß, sodass man schon seit Monaten in den Sicherheitsgremien der Regierung darüber diskutiert, Huawei vom weiteren Netzausbau auszuschließen. Dies hätte für die Telekom aber auch alle anderen Netzbetreiber, massive Konsequenzen.

Kostenexplosion befürchtet

Sollte angesichts der aktuellen Vorkommnisse entschieden werden, das Huawei tatsächlich keine Komponenten für den 5G-Ausbau mehr liefern dürfte, dann würden die Kosten für die Telekom und ihre Konkurrenten geradezu explodieren.

Hardware anderer Hersteller ist nicht nur um einiges teurer, sie verbraucht auch deutlich mehr Energie als die Systeme des chinesischen Marktführers, die sich mittlerweile in ganz Europa als Branchenstandard durchgesetzt haben.

Diese Kostensteigerung würden dann auch die Kunden zu spüren bekommen, denn sie dürften eins zu eins an die Nutzer weitergegeben werden. Noch ist allerdings nichts entschieden, denn bis zur endgültigen Klärung des Vorfalls dürften noch mehrere Monate vergehen.

Während dieser Phase wird sich allerdings auch herausstellen, ob man weiter auf die chinesischen Komponenten setzen möchte. Hier stehen der Telekom und allen anderen Anbietern, eventuell noch harte Zeiten bevor.

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