Rückzug, Abweisung und Vorstoß – Vom längsten und teuersten Pokerspiel der Geschichte

Es ist eine Geschichte von gigantischen Einsätzen, die zu nicht geahnten Konsequenzen führen könnten.

Allerdings erzählt sie auch von strategischen Rückzügen mit eindeutigen Friedensangeboten, die schmählich zurückgewiesen werden. Ein Drama und gleichzeitig eine Hommage an das, was im besten Fall ein Aufbruch in eine neue Epoche werden könnte.

Die Rede ist von der immer noch laufenden 5G Auktion, welche bald ihren dritten Monat vollendet. Das längste und teuerste Pokerspiel der Geschichte, denn immerhin liegen mittlerweile gewaltige 5,794 Milliarden Euro im Topf und ein Ende der Gebote ist noch lange nicht in Sicht.

Nun sind sogar sechs Frequenzblöcke wieder offen, sodass mit neuen Aktionen gerechnet werden darf.

Vom Aufstieg und Fall

Die 222 Gebotsrunde der 5G Auktion ist Geschichte und mit ihr auch ein Traum.

Die 1&1 Drillisch AG hat ihre Gebote für alle Blöcke zwischen 3,4 und 3,7 GHz zurückgezogen und diese somit wieder den Konkurrenten preisgegeben. Dafür beansprucht das Unternehmen nun einen Block im begehrten 2,6 GHz Bereich, welche allerdings ist 2026 genutzt werden können.

In diesem Zusammenhang hat sich das Höchstgebot des Konzerns dann auch nach oben korrigiert, sodass die Versteigerung wieder an Fahrt gewonnen hat. Zu verstehen ist diese Aktion allerdings auch als ein strategischer Rückzug, in der Hoffnung, dass die übrigen Teilnehmer diesen Annehmen würden.

Der Verzicht auf einen Block im 3GHz Sektor sollte also quasi als Tausch genutzt werden, um für später einen zusätzlichen im 2 GHz Band zu erhalten.

Doch wurde dieses schon fast als königlich zu bezeichnende Angebot schmählich zurückgewiesen.

So gingen am vergangenen Montag gleich weitere Höchstgebote für die nun freigewordenen Frequenzen ein, sodass die 1&1 Drillisch AG zwangsläufig nachziehen müsste, wenn das Unternehmen sich noch einen Block im Frequenzbereich um 2,6 GHz sichern möchte.

Ein fataler Fehler, der nun dazu führen könnte, dass das eigene Netz wesentlicher langsamer aufgebaut werden kann, als vorgesehen. Zudem ist dies auch als deutliches Zeichen an den Einsteiger zu verstehen, dass die etablierten Bieter in keinem Fall zu Verhandlungen dieser Art bereit sind.

Krisenstimmung

Allerdings geht die endlose Auktion – wie die 5G Versteigerung inzwischen in Fachkreisen betitelt wird – auch an den Großen nicht spurlos vorbei. So gab Vodafone am Montag bekannt, dass die Dividende der Aktionäre wohl gekürzt werden müsse.

Dies ging zumindest aus einem Artikel der britischen Zeitung „Sunday Times“ hervor, die sich bei ihren Ausführungen auf den britischen Mutterkonzern des deutschen Ablegers bezog.

Angesichts der beinahe 5,8 Milliarden Euro die nun schon als Zahlungsverpflichtungen veranschlagt sind, ist ein solcher Schritt auch nicht verwunderlich, denn der Konzern beginnt langsam, unter der immerwährenden Bietkampagne zu leiden.

So sind die Zeiten, in denen das Unternehmen die Ausschüttungen für die Aktionäre ständig erhöht hatte wohl vorbei. Dies zeigte sich auch gleich in der Entwicklung der Aktien, denn diese verloren deutliche Prozentpunkte gegenüber dem Marktschluss am Freitag.

Somit gehen Vodafone auch noch wichtige Gewinne aus Kapitalerträgen verloren – ein Umstand, der sich am Ende auch in den Kosten der Nutzer wiederspiegeln könnte. Noch werden Preissteigerungen hier zwar verneint, es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis der Zwang zu handeln, dies ändern dürfte.

Schwäche ist fatal

Doch auch bei den übrigen Teilnehmern zeigt sich der Verdruss. Die Telekom ist zwar noch weit von Kürzungen der Dividenden entfernt, allerdings fürchten die Investoren und Anleger, dass am Ende ein ähnlich katastrophaler Netzausbau erfolgen werde, wie dies seinerzeit bei den 3G Netzen der Fall war.

Da die Telekom einen beträchtlichen Teil der Investitionssummen, die eigentlich für den Netzausbau gedacht waren, nun in den Erwerb der Lizenzen fließen lässt, könnte dies am Ende zu einer Schwäche führen, die auf Jahre hinaus den Ausbau der Netze erneut stagnieren lässt.

Auch bei der Telefonica hat sich die Euphorie inzwischen deutlich gelegt. Mit jedem weiteren Tag ist die Sehnsucht groß, dass es nun endlich ein Ende findet. Allerdings hat gerade der Schritt der 1&1 Drillisch AG alle Teilnehmer dazu gezwungen, neues Kapital in die Hand zu nehmen, wenn die sechs freien Blöcke nicht verloren gehen sollen.

Auch Telefonica liebäugelt in dieser Hinsicht mit den Frequenzen im 3 GHz Bereich, daher fällt die Entscheidung schwer, nicht zu handeln oder alles auf eine Karte zu setzen.

Unterm Strich

Unterm Strich ist die 5G Auktion zu einem Nervenkrieg geworden, der alle beteiligten Unternehmen, aber mittlerweile auch deren Anleger, Investoren und Kunden in eine schlechte Stimmung versetzt.

Während die Einen weitere Kürzungen der Dividenden erwarten, fürchten die Anderen, dass die Zeiten der günstigen Tarife bald vorbei sein könnten.

Zudem ist immer noch unklar, wann die ersten 5G Netze tatsächlich für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werden und noch unklarer ist, in welcher Weise und wann es die ersten brauchbaren Anwendungen geben wird.

Daher könnte sich dieser Prozess zu einen bedeutenden Wendepunkt in der Mobilfunkbranche auswachsen.

Nichts wird mehr so sein wie früher und vielleicht eröffnet sich sogar ein Markt für Unternehmen, die bisher keinen Zugang zu diesem gefunden haben.

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