PŸUR in der Krise – Von großen und kleinen Problematiken

Blickt man auf die Internetpräsenz des Kabelnetzbetreibers PŸUR, dann scheint oberflächlich alles in bester Ordnung zu sein.

Doch im Hintergrund brodelt es weiter, denn bereits Ende Mai hatte der Hauptaktionär United Internet heftige Kritik an Tele Columbus geäußert. Rückläufige und stagnierende Kundenzahlen waren der Grund für die Depesche, die nun hinter den Fassaden heftige Wellen schlägt.

Veränderungen im Vorstand waren dabei nur der erste Schritt, nun soll auch die technische Seite genauer unter die Lupe genommen werden.

Genau hier scheint es viele Baustellen zu geben, denn während andere Provider inzwischen den Gigabit-Bereich anvisieren, tut sich in dieser Hinsicht nichts bei der Kabelmarke von Tele Columbus.

Kunden und Dienstleister

Die derzeitige Geschichte von PŸUR liest sich wie Hin und Her zwischen Kunden und Dienstleistern. Auf Seite der Nutzer wird eine heile Welt präsentiert, welche alles so darstellt, als könnten die Grundfesten des Konzerns niemals zum Einsturz gebracht werden.

Doch im Grunde stehen die Sterne ganz anders, denn hinter den Fassaden brodelt es heftig. Erst Kurzem wurden wesentliche Positionen ausgetauscht und es sollen noch weitere Führungsstellen mit neuen Köpfen besetzt werden. Doch nicht nur der Verwaltungssektor ist von diesen Umstellungen betroffen, auch in der Technik soll es nun zur Sache gehen.

Hier werden aber nicht nur personelle Veränderungen eintreten, auch die bisherige Strategie soll nun neu überdacht werden. Knackpunkt ist dabei Gigabit, denn PŸUR kann derzeit lediglich eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 400 Mbit/s anbieten.

Die Konkurrenz ist dabei schon deutlich weiter, hier gehören besonders in den Großstädten und Ballungsräumen, entsprechende Tarife schon fast zum Standard. Allerdings auch nur fast, weswegen man sich in bei PŸUR nun unweigerlich in diese Richtung orientieren möchte, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Dabei sehen die Grundvoraussetzungen gar nicht so schlecht aus, denn der Konzern kann durchaus mit einer stabilen Basis an Anschlüssen aufwarten. Allerdings hält sich das Wachstum in Grenzen, was United Internet als Hauptaktionär in keinem Fall akzeptieren möchte.

Nackte Zahlen

In nackten Zahlen betrachtet, versorgt PŸUR derzeit rund 3,3 Millionen Haushalte vor allem im Osten der Republik und besonders in Brandenburg und Berlin. Allerdings reicht dies nicht, denn bereits seit Jahresanfang 2018 hat sich an diesen Werten nichts mehr geändert, wobei in einigen Segmenten sogar rückläufige Werte zu verzeichnen sind.

Besonders beim Fernsehen verliert PŸUR Teilnehmer, denn immer mehr Kunden steigen auf reine IP-Angebote um, sodass vor allem die schnellen Leitungen begehrt sind.

Auch beim Ausbau kommt man nicht so recht voran. Bereits geplante Trassen werden wesentlich später fertig als vorgesehen und neue Projekte wurden erst einmal auf Eis gelegt. Der Grund: Die Kosten können durch die Einnahmen nicht mehr aufgefangen werden.

All dies zeugt von falschen Entscheidungen, die in den letzten Jahren getroffen wurden. Zwar schuf sich PŸUR eine stabile Kundenbasis, allerdings wurde dabei vergessen in die Zukunft zu investieren und neue interessante Angebote zu kreieren.

Der Wechsel soll es schaffen

Der anstehende Wechsel von Führungspersonal in der Technik, soll dies nun richten. Vor allem hier werden infrastrukturelle Weichen gestellt, die für die zukünftige technische Entwicklung unerlässlich sind. Konkret: Eine Anpassung der Kopfstellen, sodass über diese auch Gigabitgeschwindigkeiten realisiert werden können. Hierzu könnte selbst der Ausbau der Netze vorläufig eingestellt werden.

In ernstlichen finanziellen Schwierigkeiten ist PŸUR allerdings nicht, dennoch müssen Entscheidungen getroffen werden, die maßgeblich neue Wege aufzeigen, wenn am Ende nicht wirklich der Konkurs stehen soll. Doch von diesem Punkt ist man glücklicherweise noch weit entfernt.

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