Rocket Internet wird Aktionär bei Tele Columbus – Immense Anteile gekauft

Das an der Börse schwächelnde Unternehmen Tele Columbus (PŸUR) hat einen neuen Aktionär. Die Kapitalbeteiligungsfirma Rocket Internet hat erwarb 12,29 Prozent der Aktien und ist damit – nach United Internet – der zweitgrößte Anteilseigner am Unternehmen.

Doch in diesem Zusammenhang wurden auch Befürchtungen laut, dass hier erneut von fremder Seite, Einfluss auf den Aufsichtsrat genommen werden sollte.

United Internet hatte genau dies bei der Hauptversammlung im August getan und setzte mit diesem Schritt seine eigene „Wunschliste“ für die Besetzung des Aufsichtsrates durch.

Mit ähnlichen Methoden möchte Rocket Internet allerdings nicht agieren, dem Unternehmen gehe es vielmehr um den weltweiten Aufbau eines Tech-Unternehmensnetzwerkes.

Die Zahl des Jahres

12,29 Prozent – dies dürfte zumindest für Tele Columbus, nun als PŸUR bekannt, die Zahl des Jahres werden. Die Investmentfirma Rocket Internet, die schon am Aufbau von Zalandoo beteiligt war, kaufte sich für einen Millionenbetrag, in das derzeit recht schwach notierte Unternehmen ein.

Dabei soll es nicht bei dieser Beteiligung bleiben – innerhalb des nächsten Jahres möchte man weitere Anteile kaufen und somit Tele Columbus intern finanziell unterstützen. Dies hat der Berliner Konzern auch dringend nötigt, denn im August lag die Marktkapitalisierung nur noch bei 228,33 Millionen Euro.

Schon in den Vorjahren war der Kurs der Aktie immer weiter gesunken, sodass sich viele Anleger vom Unternehmen abwandten.

Rocket Internet erklärte, dass das Unternehmen keinen Einfluss auf die Tätigkeit des Aufsichtsrates ausüben wolle. Auch an einem Sitz im Vorstand habe man kein Interesse, es würden lediglich die Stimmrechte in der Hauptversammlung wahrgenommen werden.

Damit distanzierte sich der Investor deutlich vom Vorgehen des Großaktionärs United Internet, wohl auch um zu zeigen, dass man in den eigenen Reihen entsprechende Maßnahmen nicht nötig hat. Allerdings hat die Medaille auch eine Kehrseite, die erst auf den zweiten Blick in den Fokus rückt.

Doppeltes Spiel

Gerade einmal einen Monat ist seit dem Einkauf von Rocket Internet bei Tele Columbus vergangen. Inzwischen hat sich das Unternehmen für rund 320 Millionen Euro, auch bei United Internet beteiligt.

Zwar hält man hier nur 5,46 Prozent, allerdings hat dies die Stimmrechteverteilung der Hauptversammlung deutlich verändert. Entscheidungen von United Internet werden somit auch von Rocket Internet mitgetragen.

Eine Einflussnahme auf Tele Columbus seitens Rockets ist somit nicht mehr erforderlich, denn dieses muss sich nur auf die Entscheidungen von United Internet verlassen.

Damit entwickelt sich die Beteiligung an PŸUR zu einem doppelten Spiel, aus welchen der Berliner Konzern nicht zwangsläufig als Gewinner hervorgehen muss. Allerdings geht auch Tele Columbus noch eigene Wege. So prüft man derzeit wertsteigernde Maßnahmen im Rahmen des Glasfaserausbaus.

In Bezug auf diese Maßnahmen könnte es auch eine Strukturumwandlung innerhalb der Gruppe geben, sodass es Investoren möglich wäre, sich direkt an den Netzen zu beteiligen. Allerdings sei man hier noch in einem sehr frühen Stadium der Evaluierung, sodass bisher noch keine Entscheidungen getroffen wurden.

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