Ein Abschied mit neuem Anfang – Unitymedia und der Weg in die Geschichte

Die Übernahme von Unitymedia durch Vodafone ist beschlossene Sache. Nun stellt sich allerdings die Frage, was wird mit der Marke geschehen, denn Vodafone beginnt bereits jetzt damit, die Strukturen des ehemaligen Konkurrenten in die eigenen Betriebsprozesse zu integrieren.

Schon an dieser Stelle kann gesagt werden, dass wohl nicht all zu viel zurückbleiben wird. Vodafone favorisiert in diesem Zusammenhang keine zweite Eigenmarke unter separatem Label, sondern möchte lieber als geschlossener Konzern mit einheitlichem Netz auftreten.

So spannt sich eine Geschichte von neuen Möglichkeiten und vergangenen Hoffnungen auf, bei welcher auch die Kunden einige Änderungen erfahren werden.

Es ist vollbracht

Die Marke Unitymedia wird mittelfristig wohl vom Markt verschwinden. Diese Aussage stammt nicht von irgendwem – nein, die kommt von keinem geringerem als Helge Buchmeister – seines Zeichens Sprecher bei Unitymedia und der Kanal des Unternehmens zur Presse.

Dies allein zeigt, dass man sich bei Unitymedia bereits mit der Realität arrangiert hat. Alle Mitarbeiter werden zu Vodafoneangestellten und auch die Kunden werden in die neuen Strukturen überführt. Konkret sieht dies so aus, die hauseigene Connect Box durch die Vodafone Station abgelöst werden wird.

Schon jetzt verschwinden in einigen gut ausgebauten gebieten die bisher bekannten Router aus den Unitymedia-Filialen und werden durch die aktuellen Modelle von Vodafone ersetzt.

Auch Horizon TV wird es in der bisher bekannten Form nicht mehr geben. Hier verschmelzen die Plattformen von Unitymedia und Vodafone zu einem einzigen Angebot, welches dann unter dem Namen des Käufers firmieren wird. Von der Individualität Unitymedias bleibt auch an dieser Stelle keine Spur zurück.

Das Telefonnetz – die einfachste Struktur im System – ist jetzt schon mit den Knotenpunkten von Vodafone vernetzt, sodass alle Abonnenten praktisch bereits in diesem Moment, eigentlich über Vodafone telefonieren.

Interne Wandlungen

Auch intern sind die Prozesse, die letztendlich zum Verschwinden von Unitymedia führen werden, mehr als deutlich erkennbar. Die Entwicklerteams wurden bereits kurz nach dem Kauf zusammengelegt.

Weitere Abteilungen werden langsam in die Infrastrukturen von Vodafone überführt – auch, um den Mitarbeitern den Übergang sehr leicht zu gestalten. Bei all dem soll es in erster Linie um das Wohl des Kunden gehen, denn dieser darf eine Infrastruktur erwarten, welche Bandbreiten zur Verfügung stellt, die so bisher noch nicht erreicht werden konnten.

Natürlich sind es eher wirtschaftliche Interessen, die am Ende eine Rolle spielen. Inzwischen kann Vodafone mit 11 Millionen Haushalten aufwarten, in denen Gigabit zur Verfügung steht.

Durch die Übernahme von Unitymedia kommen noch einmal 1,6 Millionen hinzu. Zudem sieht man sich auf beiden Seiten langfristig dazu in der Lage, die bisherigen DSL-Nutzer im Netz der Telekom, in das deutschlandweite Kabelnetz zu überführen.  Ein Alptraum für den ehemaligen Staatskonzern, denn dieser hatte schon vor der Einwilligung der EU-Kommission zur Fusion, erhebliche Kritik angemeldet. Der Telekom würden hierdurch jährlich Millionen Euro an Durchleitungsgebühren entgehen.

Das klar gesetzte Ziel von Vodafone lautet dabei Gigabit-Leitungen schaffen, wobei das Unternehmen auch erklärte, dass dies der wesentliche Aspekt daran sei, die Liberty Global Töchter in Europa zu erwerben.

Absehbarer Horizont

So neigt sich die Ära von Unitymedia nun dem Ende entgegen und dies nicht erst in ferner Zukunft, sondern in absehbarer Zeit. Dabei sehen die Vorstände beider Seiten aber durchaus die Vorteile.

Den Während Vodafone schnelle Latenzzeiten offerieren kann, stehen im Netz von Unitymedia fast ausschließlich Glasfaserleitungen bereit – ein Traum für Vodafone, denn hier erübrigt sich vielerorts ein weiterer Ausbau. Auch für den Mobilfunk komme nun das Kabelnetz als Rückversicherung zum Einsatz, sodass ausgelasteten Kapazitäten, einfach auf die Glasfaserleitungen ausgewichen werden kann.

Was für die Kunden mehr Leistung und neue Anwendungen bedeutet, heißt aber gleichzeitig Abschied nehmen von einer Idee, die bei Unitymedia eine gewisse Einzigartigkeit besaß. So darf ruhig mit einem lachenden und einem weinenden Auge, auf das Ende und den neuen Anfang einer etablierten Marke geschaut werden.

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