Vodafone übernimmt Unitymedia – Das erwartet die Kunden

Die Entscheidung der EU-Kommission zur Übernahme von des Kabelnetzbetreibers Unitymedia von Vodafone ist noch jung. Doch mittlerweile melden sich diverse Stimmen zu Wort, die ihrerseits sowohl Vor- als auch Nachteile erkennen.

Ganz konkret geht es dabei um die Auswirkungen auf die Nutzer aber auch um die Veränderungen im Markt, die mit diesem Zusammenschluss unweigerlich einhergehen werden.

So sind es nicht nur die Telekom und die übrigen Konkurrenten die ihre Stimme erheben, auch Verbraucherschutzorganisationen und ganz normale Kunden haben ihre Hoffnungen und Wünsche, doch ebenso ihre Zweifel.

Was dies im Einzelnen für alle Vertragskunden bedeutet und wie sich die Welt nach der Übernahme ändern wird, ist definitiv einen genauen Blick wert.

Krieg der Netze

Was bereits jetzt von fast allen Medien und Analysten vorausgesehen wird, ist das befürchtete Duopol- hiermit ist nichts anderes als die Markthoheit zweier Unternehmen in einem Sektor gemeint. Namentlich handelt es sich dabei natürlich um Vodafone und um die Telekom, die jeweils in ihrer Sparte die absolute Regentschaft ausüben könnten.

Bei der Telekom sind es die DSL-Anschlüsse, denn hier hält das einstige Staatsunternehmen immerhin einen Kundenanteil von 40 Prozent. Auf der anderen Seite Vodafone mit dem neuen deutschlandweiten Kabelnetz, welches bald unzählige zusätzliche Haushalte mit Gigabit versorgen soll.

Offensichtlich ist, dass kaum ein anderes Unternehmen die Chance hätte, sich noch in den Markt zu integrieren, denn die jeweils restlichen Prozente, teilen sich bereits unter den übrigen Konzernen wie etwa der Telefonica oder 1&1 auf.

Dieses wettbewerbstechnische Fiasko ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Auf der Anderen steht, dass sich hier ein massiver Preiskampf zwischen den beiden Konzernen entwickeln könnte. Diese hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen für die User, denn schließlich müssen Kosten gegenfinanziert und Angebote förmlich hofiert werden.

Gegenseitige Abhängigkeiten

Dabei stehen sowohl Vodafone als auch die Telekom schon Langem in einer gegenseitigen Abhängigkeit. So entrichtet das rote Unternehmen aus Düsseldorf jährlich Millionen von Euro an den T-Konzern. Hierbei handelt es sich um Mietentgelder, denn die letzte Meile – also jene Verbindung zum Hausanschluss eines Kunden – muss von Vodafone bei der Telekom quasi eingekauft werden.

Aufgrund des eigenen bundesweiten Kabelnetzes könnten diese Zeiten aber nun vorbei sein, denn es darf davon ausgegangen werden, dass Vodafone den Versuch unternehmen wird, die Nutzer ins eigene Netz zu holen. Schon bei der aktuellen Preiserhöhung ist dies in einem gewissen Rahmen der Fall.

Auf Seiten der Telekom sind es vor allem Infrastrukturleistungen, die künftig wieder aus eigener Tasche gezahlt werden müssen. Schließlich hatte Vodafone über Jahre hinweg große Teile des Netzes mitgepflegt – allein aufgrund der Tatsache, um im DSL-Bereich höhere Bandbreiten anbieten zu können.

Dies kam vor allem dem alten Hasen der Branche zugute, denn hierdurch konnten Millionenbeträge eingespart werden. Die gegenseitigen Verbindlichkeiten dürften im Detail noch deutlich diffiziler ausfallen, allerdings erwächst nun ein Konkurrent, der es durchaus mit den bisherigen Alleinstellungsmerkmalen aufnehmen kann. Dies sogar in einem Ausmaß, bei welchem die Telekom ins Hintertreffen geraten könnte.

Wichtig für alle

Was ist von all dem aber nun wichtig für den Kunden und was ändert sich konkret? Zum Einen darf wohl ein Preiskampf erwartet werden. Dieser dürfte deutliche Ersparnisse in den Geldbeuteln der Nutzer bringen, denn beide Seiten werden mit ihren Angeboten um die Gunst der User kämpfen müssen.

So könnten Gigabit-Verbindungen in den Kosten bald rapide fallen, denn gerade die ultraschnellen Netze sind es, die Neukunden in erster Linie anziehen werden.

Auch bei der Telekom dürfte es sich ähnlich verhalten, wobei hier wohl weitere Investitionen in die Super Vectoring Technologie erfolgen werden, um den Nutzern mehr als nur die bisherigen 250 Mbit/s offerieren zu können.

Dies bedeutet möglicherweise auch, dass die preise für die derzeitigen Angebote in den Keller fallen, denn wer möchte schon 50 Mbit/s, wenn er für einen vergleichbaren Preis bei Vodafone bereits 250 Mbit/s haben kann.

All dies klingt nun so, als wenn für die User goldene Zeiten anbrechen, in denen Internet fast umsonst in die eigenen Haushalte kommt. Doch auf der anderen Seite steht die Qualität. Denn genau diese könnte deutlich auf der Strecke bleiben, wenn sich beide Megakonzerne in ihren Preisschlachten verlieren.

Eine sich verschlechternde Infrastruktur sowie daraus resultierende häufigere Netzabbrüche könnten der Fall sein. Auch der Service könnte sich verschlechtern, denn schließlich müssen Mittel in anderen Bereichen gebunden werden, um dem Konkurrenzdruck standhalten zu können.

Keine Vorteile

Auch im Kabelnetz gibt es keine wirklichen Vorteile. Zwar darf nach Zugeständnissen an die EU-Kommission nun auch o2 Kabelanschlüsse im Vodafone-Netz anbieten, allerdings lediglich mit einer Bandbreite von 300 Mbit/s. Hier stellt sich also keine Frage, zu welchem der beiden Konzerne Kunden bei einer fraglichen Entscheidung gehen, wenn bereits die 500 Mbit/s bei Vodafone zum gleichen Preis zu haben sind, wie der langsamere Anschluss bei o2.

Betrachtet man alles nüchtern und in der Gesamtheit, so scheint es viele Veränderungen zu geben. Doch wie ein altes Sprichwort sagt: Desto mehr sich die Dinge ändern, um so sicherer ist, das alles gleich bleibt. Konkret wird man wohl erst in den nächsten Monaten sagen können, was sich an dieser Stelle wirklich tut.

Eines ist aber jetzt schon klar, für die bisherigen Kunden von Unitymedia ändert sich definitiv nichts, denn ihre Verträge werden vom neuen Eigentümer eins zu eins übernommen.

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