Cord-Cutting bei sky – Der Untergang einer einstmals visionären Idee

Cord-Cutting ist ein Wort, dass im europäischen Sprachgebrauch eher unbekannt ist. In den USA hingegen kennen Medienunternehmen diesen Terminus schon lange, beschreibt er doch geradezu eine fatale Entwicklung, die derzeit fast alle großen TV-Anstalten betrifft.

Nun beginnt es auch in Europa zu Cutten und vor allem SKY erlebt mit massiver Härte, was es bedeutet, wenn die Kunden Abonnements beenden.

Mit diesem zunehmenden Trend, endet auch eine Ära, denn die Fortentwicklung des Pay-TV wird nun immer weniger betrieben. Somit setzt ein Umdenken ein, welches zu einer völlig veränderten Fernsehlandschaft führen könnte.

Ein wahrer Mythos

Cord-Cutting – Dieser Begriff galt lange Zeit als ein Mythos, zumindest in Europa. Hinter ihm verbirgt sich nichts anders, als das symbolische Durchtrennen eines Kabels, mit welchem beispielsweise kostenpflichtiges Kabelfernsehen empfangen wird.

Die Bezeichnung stammt noch aus den siebziger und achtziger Jahren, als dies eine probate Methode war, unliebsame Abonnements für Pay-TV Angebote zu beenden. Heute steht es als Synonym dafür, dass ein Kunde seinen Vertrag vollständig beendet. Lange hielt man solche Massenkündigungen bei europäischen Unternehmen für unwahrscheinlich.

Doch mittlerweile hat sich diese Ansicht geändert. Dies beweisen erschreckende Quartalszahlen bedeutender europäischer Pay-TV Anbieter. Aber auch in den USA sieht die Lage nicht viel besser aus.

Allein im dritten Quartal 2019 kündigten in den Staaten mehr als 20.000 Haushalte täglich eines ihrer Abonnements. Somit ergab sich eine Gesamtzahl von über 660.000 Kunden, die in dieser Zeitspanne ihre bezahlpflichtigen Angebote beendeten.

Erschreckende Werte, wenn man bedenkt, dass sich die Branche noch zu Anfang des Jahres, scheinbar in einem Aufwind befand. Damit aber noch nicht genug, denn weitere zehntausende von Kunden führten einen Downgrade ihrer Pakete durch, was im amerikanischen als Cord-Shaving bezeichnet wird.

Im gleichen Maße geschieht dies nun auch hierzulande und betroffen ist vor allem der Pionier des Sektors – Sky.

Nicht mehr attraktiv

So verzeichnete das Unternehmen ebenfalls im dritten Quartal 2019, einen erheblichen Rückgang der Kundenzahlen – nicht nur in Deutschland. Auch in Großbritannien, Italien, Österreich und Irland, entschieden sich die Kunden gegen eine Verlängerung ihres Abonnements.

Insgesamt 98.000 Nutzer kehrten dem Konzern den Rücken, was unter anderem auf daran liegen dürfte, das bedeutende Sportereignisse wie die Champions League, nicht mehr im Programm enthalten sind. Auch hier präsentierten sich die Werte Anfang des Jahres noch anders, mit einem Zuwachs von 304.000 Klienten.

Für das Bezahlfernsehen ist dies ein harter Schlag, denn die Zeiten, in denen die Kunden bereit waren für entsprechende Inhalte Geld auszugeben, scheinen nun je zu Ende gegangen zu sein. Eine Überraschung ist dies nicht, schließlich beschieden schon Mitte letzten Jahres mehrere namhafte Seiten der Branche, dass die Inhalte deutlich an Niveau verloren hätten.

Schon damals warnten diese davor, dass in erster Linie der Wegfall der Sportereignisse, einen entsprechenden Effekt mit sich bringen könnte.

Streaming statt linear

Anders als beim regulären Free TV, werden bezahlte Streaming-Angebote als deutlich attraktiver empfunden. Trotz vieler Zusatzfunktionen, hat das lineare Bezahlfernsehen, stark an Reiz verloren, denn es bietet nicht die Freiheit, die sich die Kunden heute wünschen.

Gerade die Tatsache, dass in vielen Fällen ein bestimmter Titel nur einmal betrachtet werden kann oder es massive Einschränkungen bei der mobilen Nutzung mit zusätzlichen Kosten gibt, schrecken Nutzer von einem Vertragsschluss ab.

Aus dem Schock des Einbruchs erwacht, haben die Unternehmen in den USA inzwischen begonnen sich zu konsolidieren. So werden beispielsweise kleinere Studios, die vor allem Streaming-Angebote zur Verfügung stellen, übernommen.

Auf diese Weise lassen sich die Verluste zumindest deutlich abmildern. Somit können es sich diese Konzerne leisten, einige Kunden zu verlieren. Hervorragende Beispiele sind etwa Comcast und AT & T, die Mitte des Jahres mit eigenen Streaming-Plattformen an den Start gehen.

Dies haben sie auch bitter nötig, denn gerade diese Unternehmen verlieren im Rekordtempo Kunden im Pay-TV Bereich.

Keine Optionen

Allerdings sieht es bei Sky etwas anders aus. Hier gibt es bereits ein Streaming-Angebot und das Unternehmen hat sich in der Vergangenheit schon mit einigen Plattformen ausprobiert. Doch auch diese erzielten nicht den Erfolg, den sich die Macher im Vorfeld versprochen haben.

Im Gegenteil, hat sich etwa Sky Go sogar als ein Verlustgeschäft erwiesen. Somit fehlen dem Unternehmen aus Unterföhring schlichtweg die Alternativen, sich nochmals neu zu erfinden. Einzig der umkämpfte Sportmarkt könnte hier zu einem Impuls führen, der die Kunden dazu veranlassen würde, wieder in bezahltes Fernsehen zu investieren.

Doch wird es wohl auch dazu nicht kommen, denn mit DAZN und anderen Vertretern der Zunft, entwickelt sich ein neues Sport-Streaming-System, dass den Nutzern aufgrund der flexiblen Kündigungsmöglichkeiten weit mehr zuzusagen scheint, als die durchaus antiquierten Strukturen, die das lineare Pay-TV offeriert.

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